Was ist der Braunschweig-Test?

geändert am 20. April 2021

Der Braunschweig-Test ist ein weltweit angesehenes Testverfahren, um den Feuerschutz eines Tresors zu überprüfen. Feuerschutztresore müssen Brände, Explosionen, Erdbeben, Überschwemmungen oder bei Datenträgern starken Magnetismus überleben. Der Braunschweig-Test gilt als der härteste Test, den es für Wertschutzschränke überhaupt gibt. Datenspeicher und Dokumente müssen den Brand unbeschadet überstehen. “Tresore Braunschweig” sind etwas Besonderes – sie besitzen quasi ein Qualitätssiegel.

Wie funktioniert der Braunschweig-Test?

Den Braunschweig-Test entwickelte die Materialprüfanstalt für das Bauwesen (MPA BS) der Technischen Universität Braunschweig als standardisiertes Qualitätsprüfverfahren für Tresore. Grundlage der Feuerschutzprüfung ist die Norm EN 1047-1. Der Braunschweig-Test besteht aus zwei Teilen, dem Feuerwiderstandstest und dem Feuerstoß- und Sturztest. Der Test erfolgt stets mit zwei baugleichen Tresoren in zwei getrennten Abläufen.

Entsprechend der Güteklasse sind die Tresore Braunschweig im ersten Teil der Prüfung 60 oder 120 Minuten den Flammen bis zu 1090° C in einer Brandkammer ausgesetzt. Diese Prozedur müssen sie überstehen, ohne dabei einen vorgegebenen Temperaturgrenzwert im Innern zu überschreiten. Diesen Höchstwert können Sie der Tabelle der Brandschutz-Güteklassen entnehmen.

Im zweiten Teil der Prüfung wird der heiße Tresor aus 9,15 m Höhe auf ein Kiesbett fallen gelassen. Dies soll einstürzende Gebäudeteile simulieren. Die Verformung des Tresors Braunschweig muss dabei innerhalb bestimmter Toleranzen bleiben.

Feuerwiderstandstest

Der erste Teil des Braunschweig-Tests gilt dem Feuerwiderstand des Tresors. Die Ausgangstemperatur der Brandkammer liegt bei 20 °C. Anschließend erfolgt ein Aufheizen auf bis zu 1090° C. Tresore der Güteklasse S 60 verbleiben 60 Minuten und die der Güteklasse S 120 rund 120 Minuten in der Brandkammer. Nach dem Abstellen der Brenner kühlen die Tresore für mindestens 12 Stunden in der Kammer ab.

Dabei darf die Innenraumtemperatur den vorgegebenen Grenzwert von 170 °C für Papier und 70 °C bzw. 50 °C für Datenträger nicht überschreiten. Im Bereich der Datensicherungsschränke darf die maximale relative Luftfeuchtigkeit nicht über 85 Prozent ansteigen.

Feuerstoß- und Sturztest

Der zweite Teil, die Feuerstoß- und Sturzprüfung, erfolgt in einem bereits erhitzen Brandraum. Die Tresore werden während 30 Minuten auf 1090° C erhitzt und anschließend innerhalb von vier Minuten aus einer Höhe von 9,15 m auf ein Kiesbett gestürzt. Dies ahmt einen Sturz aus dem 3. Stock eines in Flammen stehenden Hauses nach. Anschließend erfolgt für weitere 30 Minuten erneut ein Erhitzen auf 840 °C und danach eine Abkühlung von rund 12 Stunden.

Alternative Prüfmethoden zum Braunschweig-Test

Alternativ zum deutschen Braunschweig-Test existiert die schwedische Feuernorm „NT Fire 017“ und die amerikanische „UL 72“. Diese Prüfverfahren lassen sich nicht direkt vergleichen.

Die „NT Fire 017“ unterscheidet nicht nur zwischen einer oder zwei Stunden Feuerschutz, sondern auch 90 Minuten. Allerdings beinhaltet diese Prüfnorm ähnlich der deutschen Norm für leichten Feuerschutz EN 15659 nur Feuersicherheit und keinen Explosions- / Feuerstoßtest oder Sturztest.

Die amerikanische Norm „UL 72“ gibt es für einen Feuerschutz von 30, 60, 120, 180, und 240 Minuten. Das Prüfprozedere ähnelt dem Braunschweig-Test. Beide Prüfungen sehen den Sturztest aus rund neun Metern Höhe vor, allerdings ist dieser im Braunschweig-Test Pflicht, im „UL 72“ hingegen optional.

Daher ist es beim Kauf eines Brandschutztresors äußerst wichtig, auf die Zertifizierung zu schauen, um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen, sprich “Tresore Braunschweig” mit anderen zu verwchseln.

Fazit:

Nach bestandenem Braunschweig-Test erhält der Tresor das entsprechende Prüfsiegel des VdS oder des ECB-S. Dies garantiert dem Kunden eine gewisse Sicherheit im Falle eines Brandes. Gleichzeitig dienen die Zertifikate für die “Tresore Braunschweig” als Orientierungshilfe beim Tresorkauf. Zwar wirkt sich der Feuerschutz nicht direkt auf die Versicherungssumme aus, aber viele Versicherungen bestehen inzwischen auf einem Braunschweig-Test.